Umbau Johanneskirche Kornwestheim

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2. Korinther 3, Vers 17)

Der Umbau der Johanneskirche in Kornwestheim zur Neuen Mitte der Gemeinde ist von Respekt und Freiheit geprägt: Respekt vor dem Vorhandenen und seiner Geschichte – und der Freiheit, die Neue Mitte heutigen und zukünftigen Anforderungen gemäß zu entwickeln.

Die heutige Orientierung zur Weimarstraße mit den erhaltenswerten Linden führt zu einer eher versteckten Lage der Kirche. Der Umbau öffnet die Kirche zur Johannesstraße und ermöglicht eine deutliche Präsenz im Stadtraum. Bei Erhalt und Neugestaltung der bestehenden Freiflächen als ruhiger Kirchgarten entsteht durch den Abbruch des Gemeindesaales ein neuer Eingang der Kirche genau an der Stelle, wo sich ursprünglich eine große Öffnung zum Gemeindesaal befand. Ein angemessen proportionierter zur Straßenebene leicht erhöhter Vorplatz markiert mit einer Baumgruppe und dem neuen sichtbaren Eingang die Öffnung der Gemeinde zur Stadt. Ein Großteil des Gemeindehauses an der Straßenecke Weimarstraße/Johannesstraße mit seiner stadtbildprägenden Maßstäblichkeit und der Sandsteinfassade wird erhalten. Es wird vorgeschlagen, dieses zu einem Mehrgenerationenhaus umzubauen und so das Ensemble aus Kirche, Mehrgenerationenhaus, Kirchgarten, Pfarrhaus und Pfarrgarten neu erlebbar zu machen. Auch eine andere Nutzung des erhaltenen Gebäudeteils bleibt möglich.

Während die Kirche von der Johannesstraße erschlossen wird, bleibt der bestehende Haupteingang an der Weimarstraße als Gemeindeeingang für Saal und Gruppenräume erhalten, an der Weimarstraße werden auch die erforderlichen Stellplätze vorgesehen. Ebenso ist eine Einbeziehung der östlichen Freifläche z. B. als Freifläche für Jugendliche gegeben. Die Bushaltestelle auf Straßenebene wird an die Lage des Vorplatzes an der Johannesstraße angepasst.

Der bestehende Kirchenraum ist als eine Kirchenhalle für eine große Gemeinde unter Einbeziehung des derzeitigen Gemeindesaales entworfen worden. Er ist von weißen verputzten Wänden, der kassettierten Holzdecke und den hölzernen Kirchenbänken, den Natursteinplatten als Bodenbelag sowie den mit Ornamentglas verglasten Fenstern geprägt. Wie in ähnlichen Kirchenbauten der 50er Jahre sind nur wenige dekorative Elemente wie Pfeiler und Gesimse sowie die hölzernen Türen vorhanden. Die neuen Nutzungen werden als räumliche Skulptur in die weiße Hülle der Kirchenwände unterhalb der erhaltenen Holzkassettendecke frei eingestellt. Die Raumskulptur zeigt sich an der Stelle der „Wunde“ des abzubrechenden Gemeindesaals auch nach außen und bildet den neuen Kircheneingang. Durch die Ausführung in Holz und Ornamentglas (Gussglas) wird der Kirchenraum neu ausgeleuchtet und erhält hier seinen sakralen Schwerpunkt. Eine zentrale Anordnung neuer Holzbänke, neu positionierter Altar, Pult und das umgesetzte Taufbecken bieten den neuen Mittelpunkt der Gemeinde. Die derzeitige Apsis wird durch schlanke Holzstelen zur Wochenkapelle, die separat von der Johannesstraße betreten werden kann.

Der Gemeindesaal wird direkt anschließend und zum Sakralraum öffenbar angeordnet. Er bildet ein transluzentes gläsernes Volumen und erhält Zugänge sowohl von der zum Kirchgarten orientierten Halle als auch vom derzeitigen Foyer aus. Dort wird über eine Deckenöffnung der Bezug zur Fensterrosette im Obergeschoss ermöglicht. Das Foyer bietet sich auch als Ort für ein Kirchencafé an. Die Küche, deren Anlieferung über die östliche Seite der Kirche erfolgt, kann sowohl das Foyer als auch den Saal direkt andienen. Lagerräume befinden sich im modifizierten Nebenraumbereich nahe bei der Sakristei. Die Erschließung des Obergeschosses wird komplett neu geordnet, ein abgeteiltes Treppenhaus mit angelagertem Aufzug führt auf die Galerieebene, die höher als im Bestand angeordnet wird, um dem Gemeindesaal Raumhöhe und Licht zukommen zu lassen. Oberhalb des Gemeindesaales befinden sich die erforderlichen WC-Anlagen (Behinderten WC im EG) und die Gruppenräume. Auch im oberen Foyer entsteht ein räumlicher Bezug zur erhaltenen Rosette im Turm. Eine Galerie, die auch die neue Orgel aufnimmt, und eine offene Treppe vernetzen die eingestellten Funktionen mit dem Gesamtraum. Die parallele Nutzbarkeit von Saal und Sakralraum sowie von Gruppenräumen und Gemeindesaal ist gewährleistet.

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