1. Preis für das „Haus der Kirche” in Stuttgart-Degerloch

Aufgrund baulicher und organisatorischer Mängel des heutigen Gemeindehauses plant die Gesamtkirchengemeinde Degerloch den Neubau eines neuen „Haus der Kirche” in direkter Nachbarschaft zur Michaelskirche. In dem Gebäude sollen die kirchlichen Aktivitäten der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Degerloch konzentriert werden. Die städtebauliche Situation und die schwierige Gesamtgemengelage erfordern sowohl in stadträumlicher als auch in organisatorischer Hinsicht ein funktional schlüssiges Konzept und eine passende Gestalt für das neue „Haus der Kirche”, das sich sensibel in das Gesamtensemble mit der Michaelskirche, Alte Scheuer und Helene-Pfleiderer-Haus einbindet. Das neue Gebäude wird als „Gelenkkörper” zwischen Agnes-Kneher-Platz und dem Marktplatz eine stadtbildprägende Bedeutung erlangen und soll zum kommunikativ nutzbaren Treffpunkt für Degerloch werden. Das Gebäude soll mit Bescheidenheit gegenüber der historischen Bausubstanz in Erscheinung treten, jedoch auch das Gemeindeleben nach außen hin selbstbewusst und angemessen darstellen.

Städtebauliche Konzeption

Die städtebauliche Konzeption für das neue „Haus der Kirche“ nimmt die Gegebenheiten des Ortes auf und fügt es in Maß und Materialität in das städtebauliche Gesamtensemble ein. Die eigenständige räumliche Ausprägung der Grundriss- und Dachform des neuen Gebäudes thematisiert die Raumfuge zwischen Marktplatz und Agnes-Kneher-Platz und öffnet durch die leicht abknickende Westfassade den Platzraum zum südlichen Agnes-Kneher-Platz. Das neue „Haus der Kirche“ schmiegt sich an die Michaelskirche an, wahrt aber gleichzeitig die notwendige Distanz zur historischen Bausubstanz der Kirche. Die prägende Dachlandschaft der umgebenden Bestandsbauten wird im neuen „Haus der Kirche“ aufgenommen und neu interpretiert. Diese führt zu einer angemessenen und selbstbewussten Darstellung des neuen Gemeindehauses. Die bewusst eigenständige Ausformulierung der Dachform akzentuiert den Turm der Michaelskirche von unterschiedlichen Blickwinkeln aus und verschafft gleichzeitig den Innenräumen eine räumliche Großzügigkeit.

Erschließung und funktionale Anordnung

Die Erschließung des neuen „Haus der Kirche” erfolgt von Westen über den Agnes-Kneher-Platz. Vom überdachten Eingangsbereich gelangt der Besucher in das Foyer, von dem aus der Blick in den Innenhof und zur Kirche freigegeben wird. Südlich an das Foyer angelagert sind der Kleine und Große Saal, die zusammenschaltbar und mehrfach unterteilbar sind. Auf der Nordseite des Foyers sind der Aufzug und die Erschließungstreppe zu den Obergeschossen angeordnet. Nördlich daran anschließend erfolgt der Zugang zur Begegnungsstätte, die einen direkten Außenraumbezug zum Agnes-Kneher-Platz hat und diesen in die Nutzung der Begegnungsstätte mit einbezieht.

Über die zentral angeordnete Treppen- bzw. Aufzugsanlage erreicht man das 1. Obergeschoss mit den Organisationseinheiten Kirchenpflege und Kreisdiakonie. Die beiden Organisationseinheiten sind jeweils unabhängig voneinander schließbar und direkt von der Treppen- bzw. Aufzugsanlage aus zugänglich. Ergänzend ist das Gemeindebüro zwischen den beiden Organisationseinheiten eingebunden. Im Dachgeschoss ist das Waldheimbüro direkt an den Treppen- bzw. Aufzugsbereich angelagert. Auf dieser Ebene sind auch Räume für „Neue Aktivitäten” mit einem Besprechungsraum, einem Raum für Einzelunterricht des Posaunenchors, Ehrenamtlichentreff und einem Meditationsraum angeordnet.

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