db-Metamorphose widmet sich dem „smac”

Verlustreicher Gewinn

Das letzte Schocken-Kaufhaus von Erich Mendelsohn, das in Deutschland noch erhalten ist, steht in Chemnitz. Dort hat es nicht nur den Zweiten Weltkrieg überlebt, sondern auch einen radikalen Stadtumbau und eine unsensible Fassadensanierung zu Zeiten des Sozialismus. Wie verkraftet es nun die aktuelle Umnutzung zum Archäologiemuseum?

Wer in Chemnitz vor dem ehemaligen Kaufhaus Schocken steht, mag kaum glauben, dass an dieser Stelle der Stadt einmal die Massen zum Einkaufen geströmt sind. Eine weitläufige Brachfläche zur Linken, eine große unwirtliche Autokreuzung im Rücken und ein Bürgersteig, auf dem nicht allzu viele Menschen unterwegs sind, lassen vergessen, dass man sich nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt befindet. Denn kaum eine Stadt hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg so grundlegend verändert wie Chemnitz. Vergleicht man Luftbilder von 1945 und 1985, so ist das Zentrum nur mit Mühe wiederzuerkennen. Ende der 50er Jahre begann die Umgestaltung zu Karl-Marx-Stadt als sozialistischeMusterstadt. Direkt vor dem alten Rathaus brach man eine sechsspurige Straße quer durchs Zentrum, schuf riesige Parkplätze und schlug neue Achsen in den Stadtgrundriss. Moderne Planungsideale ließen sich ungehindert umsetzen, da man weitgehend freien Zugriff auf die Grundstücke hatte. Was dabei verloren ging, war eine funktionierende Mitte.

Das Kaufhaus Schocken, 1927-30 von Erich Mendelsohn errichtet und schnell als bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung der Warenhausarchitektur rezipiert, überstand zwar den rigorosen Stadtumbau, geriet jedoch in eine Randlage. Nach der Wende wurde es noch einige Zeit vom Kaufhof-Konzern genutzt, der sich dann aber 2000 von Helmut Jahn einen Neubau an zentralerem [...]


Autor: Christian Schönwetter

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